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Wie man zu einem Verifizierungs-Junkie wird

Josh Stearns über die Details, Ressourcen und Philosophie um beim Thema Wahrheitsfindung die Oberhand zu gewinnen

Jason Eppink/Flickr. Some rights reserved

Ich muss etwas beichten…ich bin ein Verifizierungs-Junkie

Seit fast einen halben Jahrzehnt verfolge ich nun schon wie Gerüchte, Lügen und Falschinformationen durch die sozialen Netzwerke in den Journalismus gelangen. Besonders interessiert es mich, wie Gemeinschaften und Journalisten mit der Masse an Informationen rund um Eilmeldungen umgehen. Genauso müssen wir Menschen besser vorbereiten, die Validität der Informationen zu überprüfen und sie dazu ermächtigen, die Verbreitung von falschen Informationen zu stoppen.

Hier geht es grundsätzlich über Vertrauen und darüber, wie wir die gewaltige Macht der Netzwerke in Zeiten von Krisen und Katastrophen nutzen können, um den Informationsbedürfnissen der Menschen zu begegnen.

2013 habe ich Verification Junkie gegründet, eine wachsende Sammlung an Apps, Instrumenten, Seiten und Strategien über Verifizierung, Faktenüberprüfung und der Aussagekraft nutzergenerierter Inhalte und Augenzeugen-Medien. Ich habe Verification Junkie gegründet, damit wir alle etwas skeptischer werden und schlechte Informationen abfangen. Wir müssen alle Verification Junkies werden.

Eine Verifikations-Kultur pflegen.

Nachrichtenmeldungen werden zunehmend nicht mehr auf Anschlagetafeln, sondern in den Feeds der sozialen Netzwerke präsentiert. Diese sind ein unumgängliches Instrument für Bürger und Journalisten geworden, bedeuten zugleich aber auch neue Herausforderungen. In dem Artikel Die Glaubwürdigkeit von Twitter und die Watertown-Menschenjagd, argumentiert Hong Qu, dass “die Instrumente und Prozesse um die Glaubwürdigkeit der Quellen zu überprüfen, mit den sich entwickelnden Social Media-Technologien und der Kultur Schritt halten müssen.”

Laut Qu gibt es zwei wesentliche Kräfte mit denen wir fertigwerden müssen, wenn wir an die Verifizierung von nutzergenerierten Inhalten und Social Media Inhalten denken: Technologien und Kultur. Verification Junkie kümmert sich um die erste Hälfte dieser Rechnung: Technologien. Auf der Webseite präsentiere und verlinke ich nützliche, interessante und aufkommende Instrumente und Apps, die Bürger, Journalisten oder Redaktionen in ihrer täglichen Arbeit nutzen können. Der Schwerpunkt liegt auf den nützlichen und konkreten Instrumenten, die Menschen entwickeln, um über die Glaubhaftigkeit und Genauigkeit von Augenzeugen-Medien wie Text, Vidos und Fotos zu erfahren.

Allerdings ersetzen die Instrumente keine Kultur, die die Überprüfung von Informationen schätzt. Grundsätzlich möchten Menschen als glaubwürdige Medienmacher wahrgenommen werden. In der Tat wenden sich viele Menschen an die sozialen Netzwerke, um Menschen in Krisensituationen ihre Hilfe anzubieten oder die Aufmerksamkeit auf eine wichtige Angelegenheit zu lenken. Journalisten und Redaktionen wollen ihre Gemeinschaften unterstützen und Leser informieren, leider überwiegt aber oft der Kampf als Erstes die Information rauszuschicken.

Ein Großteil der Online-Kultur honoriert Schnelligkeit und Aufdringlichkeit mehr als Richtigkeit und Vorsicht. Analytics sagt Ihnen, wie viele Retweets, wie viele Video-Klicks und Seitenansichten du bekommen hast, aber Analytics wird nicht zwischen richtig und falsch entscheiden.

Die Online-Kultur honoriert Schnelligkeit und Aufdringlichkeit mehr als Richtigkeit und Vorsicht.

Die Instrumente, die Verification Junkie vorstellt, sollen uns helfen zu entschleunigen und die richtigen Fragen zu stellen. Sie ermutigen uns, skeptisch zu sein, die Glaubwürdigkeit der Quelle festzustellen und die Fakten zu checken. Dieses sind keine neuen Ideen, aber die sozialen Netzwerke verlangen, dass wir neun Wege finden müssen, um diese Fragen zu stellen. So müssen die Metadaten auf Fotos, die Ortsdaten von Tweets und die Zeitangaben von Videos kennen, um Facebook’s graph search durchbrechen zu können.

Sei die Verifizierung, die du zu sehen wünscht.

brett jordan/Flickr. Manche Rechte vorbehalten.

Wenn es um Eilmeldungen geht, sind unsere Technologien und Kulturen eng verflochten. Besonders weil die Kultur unserer Online-Gemeinschaften noch nicht in Stein gemeißelt ist, ist es umso wichtiger, dass wir diejenigen sind, die das Verhalten für andere vorleben.

Twitter ist ein gutes Beispiel für die Dualität von Technologie und Kultur in der Debatte über Verifizierung und Genauigkeit. Manche behaupten, dass die Twitter-Nutzer bessere Verhaltensweisen und kulturelle Normen rund um die Themen Verifizierung und die Korrektur unserer Fehler entwickeln müssen (vielleicht der Grund, für die Entwicklung der Bezeichnungen “Retweet” und “modifizierter” Tweet). Andere argumentieren, wird benötigen bessere Apps und Instrumente, um Falschinformationen auf der Plattform zu bekämpfen. In Wirklichkeit brauchen wir beides.

Bei Verifizierung und Falschinformationen handelt es sich nicht um ein Problem, sondern um zwei: 1) Fehler verhindern 2) Fehler korrigieren und dessen Verbreitung verhindern.

Bei Verifizierung und Falschinformationen handelt es sich nicht um ein Problem, sondern um zwei: Sowohl die Vermeidung von Fehlern, als auch die gleichzeitige Eindämmung ihrer Verbreitung. Hierzu benötigen wir eine Reihe von Antworten, die folgende Maßnahmen beinhalten, aber nicht auf diese beschränkt sind: Training, einen Wandel der Normen, neue Instrumente, bessere Prozesse und Formen der Haftung. Kritisch für den Erfolg ist auch, dass diese Debatten nicht in den Redaktionen stoppen. Stattdessen sollten sie die Öffentlichkeit, die Leser und einen breiten Empfängerkreis involvieren, die aktive und kritische Teilnehmer des vernetzten Journalismus sind.

Verification Junkie ist ein Teil des Puzzles, welches sich in einem ständigen Veränderungsprozess befindet.

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