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Werkzeuge zur Vertrauensbildung im Journalismus

Mit Blick auf die journalistische Landschaft Amerikas untersucht Josh Stearns, auf welche Weise Journalisten und Redaktionen das Vertrauen der Öffentlichkeit zurückgewinnen können.

Die Website Gallup berichtete Anfang 2016, dass das ohnehin schon miserable Maß an Vertrauen in die Medien auf ein Rekordtief gesunken sei. Das schwindende Vertrauen hat reale Auswirkungen auf die Rolle des Journalismus hinsichtlich der Demokratie, sowie dessen Nachhaltigkeit und Fähigkeit, in einem Meer an Fehlinformationen ein Anker der Wahrheit zu sein. Auch wenn die sozialen Medien und die menschliche Psyche dieses Jahr eine unverkennbare Rolle in der Verbreitung von Fehlinformationen gespielt haben, so ist es der fortschreitende Vertrauensverlust in den Journalismus, der dafür sorgte, dass diese Informationen einen fruchtbaren Nährboden hatten, auf dem sie gedeihen konnten.

Wir befinden uns nun in einer negativen Feedbackschleife, die gezielt und absichtlich von denjenigen verstärkt wird, die von der Verbreitung von Zweifeln und Unsicherheit profitieren. In einer Zeit, in der sich die Medien noch nie dagewesenen Bedrohungen gegenübergestellt sehen – und das sowohl in politischer als auch finanzieller Hinsicht – muss das Schließen dieser Vertrauenslücke Vorrang haben.

In den folgenden Abschnitten stellen wir sechs Praktiken vor, die sich Journalisten aneignen und in die sie investieren sollten, um das Vertrauen der Gemeinschaften zurückzugewinnen. Außerdem enthalten sie Beispiele von Menschen, die bereits Wegweisend vorangehen.

Engagement

Nachrichtenredaktionen und Journalisten selbst müssen an den Beziehungen zu ihren Gemeinschaften arbeiten. Mit dem Schwinden des Vertrauens in jegliche Art von Institutionen stärkten soziale Netzwerke das Vertrauen zwischen Individuen. Das Engaging News Project fand heraus, dass Menschen Journalisten vertrauen, die aktiv an Diskussionen in Kommentaren teilnehmen. Und Joy Mayer untersuchte, wie das Engagement der Journalisten auf Social Media beim Aufbau von Vertrauen helfen kann. Doch Engagement kann und sollte auch offline stattfinden – wie durch einfache Live-Veranstaltungen oder tiefgehende, durch Crowdsourcing untertstütze Projekte – um Gemeinschaften in die Berichterstattung miteinzubeziehen.

Hilfsmittel und Ressourcen:Hearken, Engaging News Project, Coral Project News Voices Engaged Newsroom Toolkit

Transparenz

Die Zeiten, in denen die journalistische Arbeit so undurchsichtig ist wie der Algorithmus von Facebook, dauern schon viel zu lange an. Die meisten Menschen verstehen weder die Gepflogenheiten, noch die Entscheidungsprozesse oder Werte, die sich hinter dem Beruf und der Arbeit verbergen, die die Berichterstattung eines Ereignisses mit sich bringen. Michael Calderone ließ die Berichterstattung zur diesjährigen Präsidentschaftskampagne in den USA noch einmal Revue passieren und verlangt nach einem neuen Zeitalter der Transparenz in den Medien. Er argumentiert wie folgt: „Wenn die Journalisten nicht anfangen, die Öffentlichkeit über unsere Arbeitsweisen und Beweggründe zu informieren, überlassen wir denjenigen das Wort, die die Medien verteufeln und delegitimieren wollen und das zu einem gefährlichen Zeitpunkt in der Geschichte.“

Nachrichtenredaktionen sollten eine klare und erkennbare Richtlinie für Korrekturen haben. Außerdem sollten sie Verantwortlichkeiten gemäß den Fakten und ihrer eigenen Rechenschaftspflicht entwerfen. Sie müssen ihre ‚Arbeit offenlegen‘. Jeder Bericht gibt einem die Gelegenheit dies zu tun: so legte beispielsweise David Farenthold, Reporter der Washington Post, während der US-Präsidentschaftswahlen 2016 auf Twitter sein Notizbuch offen dar.

Hilfsmittel und Ressourcen: American Press Institute, ONA Roll Your Own Ethics Code, Trust Project

Zuhören

Seitdem die Teilnahme an den Medien durch Technologie und Internet erleichtert wurde, haben viele Menschen das Gefühl, neue Wege zu haben, auf denen sie sich Gehör verschaffen können. Oftmals haben sie allerdings auch das Gefühl, dass Journalisten ihnen nicht zu hören. Viele der Journalisten hingegen fühlen sich wie Geiseln der analytischen Maßstäbe und Abläufe, die in einigen Redaktionen vorherrschen. Wir müssen bessere Wege finden, um zuzuhören und sicherzustellen, dass die Gemeinschaften sich verstanden fühlen.

Das American Press Institute mit seiner Website Metrics for News und das Center for Investigative Reporting mit Impact Tracker sind dabei, die Metriken rund um bessere Modelle des Zuhörens zu überdenken. Neue Hilfsmittel, wie die unten genannten, können dabei helfen Feedbackschleifen zwischen Redaktionen und Gemeinschaften aufzubauen. Mit dem Zuhören verhält es sich genauso wie mit dem Engagement: es sollte über das Web hinausgehen, zum Beispiel durch Treffen mit Journalisten an öffentlichen Orten.

Hilfsmittel und Ressourcen
: Screendoor, Groundsource, Coral Project, Design Thinking

Lösungsansätze im Journalismus

Konstruktiver Journalismus versucht, vollständigere Geschichten zu erzählen, die verzwickte Probleme entlarven und gleichzeitig kreative Lösungen aufzeigen. Laut den Nachforschungen des Engaging News Project bevorzugten Menschen mit großem Abstand Nachrichten, die Lösungen enthielten. Andere Hilfsmittel, wie beispielsweise Systems Thinking, können Journalisten dabei helfen, neue Arten von Nachrichten zu navigieren und aufzudecken, die die Gemeinschaften und Demokratie stärken.

Hilfsmittel und Ressourcen: Solutions Journalism Network, Systems Thinking

Zugehörigkeit und Gerechtigkeit

Nachrichtenredaktionen müssen schlicht und ergreifend die Vielfalt ihrer Gemeinschaften besser repräsentieren. Integrativere Redaktionen sind besser dafür ausgestattet, über die komplexen Probleme, denen sich Gemeinschaften gegenübergestellt sehen, umfangreich und mit Sorgfalt und Verständnis für die Leben, die sie führen, zu berichten. Die nachlässige und ungenaue Darstellung nicht weißer Gemeinschaften in den USA hat zu einem Verlust an Vertrauen geführt und zum Erhalt von Vorurteilen beigetragen. Redaktionen sollten es sich zum Ziel machen, ein Arbeitsumfeld zu schaffen, in dem geschlechtliche, ideologische, geografische und ökonomische Vielfalt nicht nur vorhanden ist, sondern auch als das Fundament einer wahrheitsgemäßen und vertrauenswürdigen Berichterstattung verstanden wird.

Hilfsmittel und Ressourcen: Ida B. Wells Society, Maynard Institute, Women’s Media Center, Race Forward

Medienkompetenz

Journalisten sollten immer die Wahrheit berichten und Botschafter der Wahrheit sein. Nachrichtenredaktionen sollten es als einen Teil ihrer Aufgabe ansehen, aktive Fürsprecher der Medien und digitalen Bildung zu sein. Wir sollten mit gutem Beispiel vorangehen, indem wir öffentlich Lügen anprangern und Verschwörungen aufdecken. Zusätzlich sollte der Prozess der Aufdeckung in den Diskurs eingebracht werden.

Wir sollten unseren Lesern beibringen, skeptisch zu sein und sie mit den nötigen Werkzeugen ausrüsten, die ihnen dabei helfen, schlechte Informationen zu bewältigen – so bekommt die Wahrheit eine Chance. Dies muss nicht auf pedantische Weise geschehen, bei der wir von oben herab auf unser Publikum einreden und sagen, wie wichtig Qualitätsjournalismus ist. Wir müssen die Zuhörer als Partner ansehen, mit ihnen umgehen als seien sie Erschaffer und sie ermutigen als seien sie unsere Verbündeten. Letzten Endes sitzen wir doch alle im selben Boot.

Hilfsmittel und Ressourcen: Leitfäden der The New York Times und des amerikanischen National Public Radio, First Draft News, Mediactive, Snopes

Vertrauen ist ungemein vielschichtig und dynamisch. Ein einzelner Ansatz wird nicht ausreichend sein – deswegen ist dies eine Werkzeugkiste und kein Lageplan zum Aufbau von Vertrauen.

Wir würden uns freuen, wenn Sie uns mitteilen, welche landesweiten oder regionalen Probleme und Sorgen hinsichtlich des öffentlichen Vertrauens und der Medien Sie haben. Sie können uns Ihre Kommentare per E-Mail zukommen lassen oder mit uns auf Twitter und Facebook in Kontakt treten.

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